Den richtigen Moment gibt es nicht – es tut immer weh, wenn mein Mann abreist

Ist es einfacher, wenn mein Ehemann im richtigen Moment auf Geschäftsreise geht? Die Antwort ist nein. So etwas wie den richtigen Moment gibt es in diesem Fall nicht.

Es ist Dienstagabend und ich bin gerade in eine leere Wohnung nachhause gekommen. Heute Morgen saßen wir noch zusammen am Frühstückstisch – jetzt ist mein Mann weg. Und es dauert ganze zehn Tage bis ich ihn wiedersehe.

Vorgetäuschte Normalität

Die Erkenntnis trifft mich hart als ich die stille Wohnung betrete. Den ganzen Tag über habe ich mich der Illusion hingegeben, alles sei so wie immer. Ich war einfach noch nicht bereit, mich mit der Abreise meines Mannes auseinanderzusetzen.

Das war dieses Mal auch besonders einfach – da mein Tag ganz normal anfing:

Wir standen auf, tranken Kaffee zusammen und verabschiedeten uns dann ins Büro. Tagsüber zwischen Besprechungen und Workshops schickten wir einige WhatsApp Nachrichten hin und her so wie wir es immer tun. Und als ich gegen 6 Uhr Feierabend machte, ging ich noch kurz einkaufen bevor ich heimfuhr.

An diesem Punkt endete die Normalität dann aber – denn heute ist nichts so wie immer. Als mein Ehemann heute Morgen zur Arbeit fuhr, hatte er seinen großen Koffer dabei. Anstatt heute Abend wieder heimzukommen, sitzt er genau in diesem Moment in Frankfurt am Flughafen und wartet auf seinen Flug nach Manila. Er geht mal wieder auf Geschäftsreise – und ich werde ihn erst Ende nächster Woche wiedersehen.

Wie jedes Mal, macht mir dieser Gedanke doch ziemlich zu schaffen – obwohl seine Abreise dieses Mal eigentlich hätte leichter sein müssen.

Endlich mal nicht am Wochenende

Als er diese Reise zum ersten Mal ankündigte, war ich regelrecht begeistert:

„Richtig super, dass du zur Abwechslung mal nicht am Wochenende los musst!“, rief ich freudig und malte mir aus, dass der Abschied unter der Woche so viel leichter sein würde.

Morgens eine kurze Umarmung, dann gleich in die Arbeit stürzen – da würde ich nicht mal richtig merken, dass er weg ist. Und wenn ich abends heimkomme hätte ich das Schlimmste bereits überstanden und könnte anfangen, mich mit meinem temporären Single-Dasein zu arrangieren.

… oder auch nicht!

Was sich zunächst wie ein richtig guter Plan anhörte, fühlt sich jetzt leider in der Realität gar nicht so an. Im Gegenteil. Auf eine gewisse Weise macht mir dieser stufenweise Abschied heute sogar noch mehr zu schaffen als sonst.

Wenn ich ihn zum Flughafen fahre, ist das üblicherweise ein klarer Schnitt. Spätestens wenn er durch die Sicherheitskontrolle geht ist er tatsächlich weg und nicht mehr greifbar. Schon auf dem Weg nach Hause kann ich anfangen, mich mit der Situation zu arrangieren und spätestens am nächsten Morgen sieht die Welt schon wieder besser aus.

Dadurch, dass ich mir dieses Mal den ganzen Tag über Normalität vorgegaukelt habe, trifft mich die Einsamkeit heute Abend umso mehr. Anders als gedacht, hat mir die Arbeit nicht dabei geholfen, den Abschied leichter zu machen sondern nur den Abschiedsschmerz ein wenig zu verzögern.

Den richtigen Moment gibt es nicht

Letztendlich ist es völlig egal, wie oder wann mein Ehemann abreist. Weh tut es immer irgendwie – so oder so. Wenn er Samstagabends aufbricht, wünsche ich mir er würde erst sonntags abfliegen. Wenn seine Reise sonntags beginnt, denke ich mir es wäre viel leichter würde er erst am Montag abreisen.

Und wenn es dann tatsächlich mal unter der Woche losgeht, wünsche ich mir er sei schon am Wochenende geflogen.

Egal wie ich es drehe oder wende:

Den richtigen Moment, um mich von meinem Mann zu verabschieden gibt es einfach nicht. Das weiß ich nun.

Kommentar verfassen

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen